Mariengrün? - Mariengrün!

Kennen Sie Mariengrün? Das ist ein Ortsteil des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, auch als Marienfelde bekannt, auf den Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge Reyer (r) und die Bezirksstadträtin für Familie, Jugend, Sport und Quartiersmanagement, Angelika Schöttler, aus luftiger Höhe schauen. Die inoffizielle Umbenennung des Ortsteils hat die degewo, mit über 71.000 Wohnungen und 1.500 Gewerbeeinheiten die führende Wohnungsgesellschaft Berlins, vorgenommen. Damit will sie die Lebensqualität im Ortsteil unterstreichen. Es gibt eben nicht nur die 26-Etagen-Bauten, sondern auch viel Grün rundherum.

Im – bleiben wir (vorerst) beim amtlichen Namen – Marienfelder Quartier Waldsassener Straße / Tirschenreuther Ring, bewirtschaftet die degewo rund 2.400 Wohnungen. Am 14. Juni lud degewo-Chef Frank Bielka die Presse sowie Senatorin Junge Reyer und Stadträtin Schöttler zu einem Rundgang durch das Gebiet ein. Startpunkt war das neue Info-Büro der Gesellschaft in der Waldsassener Straße 40, praktischer Weise gleich neben dem Quartiersbüro, über das wir im weiteren Verlauf dieses Beitrages berichten.

Anlass für den Rundgang am 14. Juni war der Start umfangreicher Sanierungsmaßnahmen im Quartier. „Wir werden“, sagte Frank Bielka in seiner Begrüßung, „in Mariengrün, wie wir das Quartier ab heute nennen, erstmals die Ansprüche und Bedürfnisse der Mieterinnen und Mieter auf eine besondere Art und Weise berücksichtigen.“ „Wohnungen und Wohnumfeld werden dabei speziell auf die Lebenssituationen von Singles, jungen Familien und Senioren zugeschnitten. Das können gut ausgestattete Spielplätze für junge Familien, aber auch barrierearme Wohnungen für ältere Mitbürger oder Ruhezonen im unmittelbaren Wohnumfeld für betagte Mieter sein.“, heißt es in einer Pressemitteilung der degewo.

Beim Rundgang durch das Quartier, Stadträtin Angelika Schöttler, degewo-Vorstand Frank Bielka und Senatorin Ingeborg Junge Reyer.

105 Millionen Euro wird die degewo bis 2016 in die energetische Sanierung der 2.400 Wohnungen investieren. Auf der Habenseite sparen die Bewohner zwischen 25 und 100 Euro Betriebskosten pro Monat. Auf der Sollseite werden die Mieten im Schnitt zwischen vier und acht Prozent steigen. „Im Vergleich zu ähnlichen Modernisierungsprojekten in Berlin ist das ein sehr moderater Anstieg“, sagte Frank Bielka. Die Sanierungsarbeiten starten Ende August und werden fünf Jahre dauern. Das Viertel wurde zwischen 1968 und 1974 erbaut. Überall ist der Sanierungsbedarf sichtbar.

Es gibt kein optimistischeres Zeichen für den Glauben an die Zukunft als die Pflanzung eines Baumes. Die Senatorin und die Stadträtin verstehen sich auch in Gartenarbeit, wie das Foto zeigt. Nicht nur die weithin sichtbaren Hochhäuser, an denen man aus Brandenburg kommend Berlin schon erkennt, sind es, die Marienfelde ausmachen, sondern auch die weiten Grünflächen. „Die Parklandschaft soll den naturnahen Charakter des Quartiers noch deutlicher unterstreichen“, sagte Frank Bielka.

Die für das Quartiersmanagement im Bezirk zuständige Stadträtin Angelika Schöttler begrüßt das Engagement der degewo zur Aufwertung des Gebietes. In Punkto Größe und Einwohnerzahl der sechs Ortsteile des Bezirks, rangiert Marienfelde mit 9,15 qkm und 30.000 Einwohnern an vorletzter Stelle vor Fridenau mit 1,65 qkm und 27.200 Einwohnern.

Marienfelde hat schon im Altbezirk Tempelhof immer ein stiefmütterliches Dasein gefristet. Die Musik spielte in den größeren Ortsteilen, und heute ist Schöneberg sozusagen der verwaltungs- und gesellschaftliche Hauptortsteil des Bezirks. Schöneberg ist mit 117.000 Einwohnern mit Abstand der bevölkerungsstärkste Ortsteil des Bezirks. Im Schöneberger Norden gibt es seit vielen Jahren ein gefördertes Quartiersgebiet. Auf Initiative von Stadträtin Angelika Schöttler sollte auch der Bereich Waldsassener Straße / Tirschenreuther Ring zum Quartiermanagementgebiet erklärt werden. Die Problemlagen sind unverkennbar, hohe Auffälligkeit bei den Hilfen zur Erziehung, Arbeitslosigkeit und viele Einwanderer. Um zum Quartiersmanagementgebiet erklärt zu werden, ging es aber den Marienfeldern zu gut. Um doch etwas für dieses Quartier tun zu können, entwickelte Angelika Schöttler eine eigene Initiative.

Aus Ehrenamtsmitteln erhält der Bezirk eine Unterstützung von der Senatsstadtentwicklungsverwaltung von rund 20.000 Euro, 80.000 Euro gibt der Bezirk selbst dazu, um zwei knappe halbe Stellen für das Quartiersbüro in der Waldsassener Straße 40 zu finanzieren. Die Trägerschaft hat die Arbeitsgemeinschaft für Sozialplanung und angewandte Stadtforschung e.V. - kurz AG SPAS – übernommen. Im April 2009 startete das von Frau Schöttler initiierte Projekt und hat sich seitdem gut entwickelt.

„Es gab viele gute Ansätze und Personen im Quartier“, so Frau Schöttler, „die alle nichts voneinander wussten. Durch das Quartiersbüro haben viele unterschiedliche Leute, jung und alt, voneinander erfahren und arbeiten heute zusammen.“ So schlummerte beispielsweise die Seniorentagesstätte „Waschhaus“ mit nur wenigen Öffnungszeiten in der Woche vor sich hin. „Das hat sich völlig verändert“, so die Stadträtin. Heute finden in den schönen Räumen, zu denen auch ein großer Saal gehört, viele, auch generationsübergreifende Veranstaltungen statt.

Beate Miculcy vom Quartiersbüro unterstreicht vor allem die erfolgreiche Arbeit, die Dank des Aktionsfonds geleistet werden kann. 21.400 Euro stehen für die Förderung von Projekten zur Verfügung. Am 8. Juni 2011 wurde die neue Jury aus der Anwohnerschaft und den im Quartier ansässigen Gruppen gewählt. Das Vergabegremium besteht aus neun Bewohner/innen und acht Vertretern der Gruppen.
Im letzten Jahr zu Weihnachten fanden zum Beispiel ein Kaffeenachmittag am Heiligen Abend für Alleinstehende und ein Weihnachtsbasteln für Kinder statt. Ein besonders beliebtes Projekt ist „Jugendliche bringen Seniorinnen und Senioren ans Netz“. Das Klima in der Nachbarschaft hat sich in den letzten beiden Jahren deutlich verbessert.

Die Arbeit für das Quartier zeigt, dass man mit gutem Willen, ehrenamtlichem Einsatz und einer relativ geringen öffentlichen finanziellen Unterstützung eine Menge auf die Beine stellen kann. Das Quartiersbüro in der Waldsassener Straße 40 ist montags bis donnerstags von 10 bis 15 Uhr geöffnet, am Dienstag zusätzlich bis 17 Uhr.

text/fotos: Ed Koch – jats