Marienfelde wehrt sich: Reden und Pfiffe gegen NPD-Aufmarsch, Übergabe von 450 Unterschriften

So ganz klar war es vorher nicht, wie viele kommen würden: Sehr kurzfristig hatte die NPD einen ursprünglich in Neukölln geplanten Aufmarsch mit ausländerfeindlichen Parolen nach Marienfelde verlegt. Doch im Lauf von nur eineinhalb Tagen organisierte sich ein breiter Widerstand.

Die BVV Tempelhof-Schöneberg formulierte einen gemeinsamen Aufruf all ihrer Parteien unter dem Motto "Marienfelde gehört allen Menschen! Toleranz statt Rassismus und Unmenschlichkeit" und lud gemeinsam mit dem Bezirksamts-Betriebsrat zur Kundgebung vor dem Notaufnahmelager Marienfelde ein – ein Aufruf, dem etwa 150 Personen aus der Bezirkspolitik und von der Anwohnerschaft folgten. Parallel dazu hatten sich Anwohnerinnen und Anwohner in Eigenregie vor dem Gemeindezentrum „Dorothee-Sölle-Haus“ an der Waldsassener Straße versammelt.
Die Kundgebung am Notaufnahmelager bot ein ungewohntes Bild: Selten sieht man die unterschiedlichen Parteien so gemeinsam an einem Strang ziehen – doch, wie alle Redner/innen betonten: In Tempelhof-Schöneberg ist kein Platz für Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, und das soll auch so bleiben.

Etwa ein Drittel des Kundgebungs-Publikums zog anschließend noch los in Richtung Waldsassener Straße: Dort warteten Erwachsene, Jugendliche und Kinder auf den NPD-Aufmarsch durchs Wohngebiet, der sich verzögert hatte. Als die Nachricht von dessen Loslaufen vor dem Dorothee-Sölle-Haus ankam, wollten die etwa 200 Leute ihm entgegengehen.
Ein kniffliger Moment: Die Kundgebung vor Ort war angemeldet, nicht eine Gegendemonstration – so dass die Polizei erst mal mit unglaublich viel Personal und recht martialischem Auftreten einen Kordon um die Menge zog, um sie am Platz zu halten. Nach Verhandlungen einer Sprecherin mit dem zuständigen Einsatzleiter durften die Protestierenden dann mit Auflagen doch losziehen.

An der Ecke Tirschenreuther Ring/Hildburghauser Straße trafen die beiden Gruppen – durch die Polizei voneinander getrennt - aufeinander.
Die etwa 30 – 40 NPD-Anhänger/innen wurden trotz ihres Lautsprecherwagens von den viel zahlreicheren Gegendemonstrant/innen unüberhörbar ausgepfiffen, „Nazis-raus!“-Rufe machten die Einstellung der bunten Gruppe aus dem Gebiet lautstark klar.
Senior/innen mit selbst gebastelten „Ohne mich“-Plakaten, Leute, die gerade mit dem Fahrrad vorbei kamen, Familien, Erwachsene und eine ganze Anzahl von Jugendlichen schlossen sich dem Protest an – das war keine organisierte Antifa-Aktion, sondern „ganz normale“ Menschen aus der Siedlung zeigten ihren Protest und begleiteten den Aufmarsch auch auf seinem weiteren Weg.

Hut ab vor allen, die sich auf diese Weise aus innerer Überzeugung zusammenfanden und für einen weiterhin offenen Stadtteil auf die Straße gingen; ein sehr ermutigendes Zeichen dafür, dass ausländerfeindliche und intolerante Ansichten nirgendwo in Berlin einen Platz finden sollen.

Weitere Informationen:

Update: Übergabe von über 450 Unterschriften gegen die NPD Demonstration in Marienfelde

Am 24. April 2012 übergab eine Delegation von Anwohnerinnen und Anwohner des Kruseweges Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler eine Unterschriftenliste, die den Protest der Marienfelder Bürgerinnen und Bürger gegen die NPD Demonstration am 13.04.2012 in Marienfelde dokumentieren.

Unter dem Motto „Ich will mich nicht einschüchtern lassen von der rechten Ideologie“ bringen die über 450 Unterschriften den starken bürgerschaftlichen Zusammenhalt zum Ausdruck, der sich in den vergangenen Jahren in Marienfelde entwickelt hat.

In der Erklärung heißt es: „Die NPD marschiert durch unseren Bezirk Marienfelde. Ich wende mich mit meiner Unterschrift gegen ihre aggressive Forderung: “Kriminelle Ausländer raus!“ Unsere Zivilgesellschaft darf nicht in dem Bemühen nachlassen, sich gegen solches menschenfeindliche Gedankengut zu wehren. Gemeinsam wollen wir zeigen, das Nazis auch bei uns und nirgendwo in unserer Stadt erwünscht sind.“

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler begrüßt das große Engagement der vielen Bürgerinnen und Bürger, die mit ihrem friedlichen Protest Verantwortung für ihren Kiez übernehmen.

(Text: Pressemitteilung BA)

text/fotos: Wolkenhauer