Kochen über den Tellerrand: Guten Appetit!

Da läuft einem doch gleich das Wasser im Munde zusammen ...

Entstehung

Wie kann man sich besser kennen lernen als über das gemeinsame Kochen? Mit dieser Idee wurde das Projekt “Gemeinsam an einem Tisch - Multikulturelles Kochen mit der Nachbarschaft” von den Mitarbeitern des Quartiersbüros Waldsassenerstraße ins Leben gerufen. Zur Realisierung dieser Idee wurden daraufhin verschiedene Netzwerkpartner akquiriert, um mit der Planung zu beginnen. Zu den Partnern gehörten die Gustav-Heinemann-Oberschule, das Netzwerk Großbeerenstraße, verschiedene Flüchtlingsunterkünfte wie auch Bewohner/innen der Großsiedlung. Der Verein „Gärten der Länder e.V.“ stellte den Förderantrag aus den FEIN-Mitteln der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Als Unterstützung für die Steuerung, Koordination und Durchführung des Projektes wurde eine Mitarbeiterin vom gemeinnützigen Verein “Über den Tellerrand” engagiert.

Die Idee:
An acht verschiedenen Kochstationen sollten in gemischten Gruppen gemeinsam Lieblingsrezepte aus aller Welt zubereitet werden. Die Teilnehmer sollten aus einer bunten Mischung aus Geflüchteten, Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern der Gustav-Heinemann-Oberschule, Bewohner/innen der Großwohnsiedlung rund um die Waldsassener Straße und den Tirschenreuther Ring, Unternehmensvertreter/innen vom Netzwerk Großbeerenstraße und Gärtner/innen aus den Gärten der Länder bestehen. Das gemeinsame Kochen sollte Begegnungen auf Augenhöhe ermöglichen, bei welchen neben dem Austausch über die multikulturellen Gerichte vor allem das persönliche Kennenlernen im Mittelpunkt stehen sollte. Hierfür sollte das gemeinsame Essen, das im Anschluss an das Kochen in gemütlichem Rahmen stattfinden soll, einen zusätzlichen Raum bieten.

Die Afghanischen Frauen zeigten, dass Rosinen und Reis wunderbar harmonieren.

Planung

Mithilfe der bewilligten Fördergelder konnten insgesamt zwei Kochevents geplant werden. Eines für den 07.10.16 und eines für den 18.11.16. Im Vorhinein fanden insgesamt drei Vorbesprechungen statt, bei welchen jeweils ein bis zwei Vertreter der Netzwerkpartner anwesend waren. Hier wurden folgende Punkt besprochen: In welchen Räumlichkeiten kann die Veranstaltung stattfinden? Welche Materialien werden gebraucht? Wie können verbindliche Teilnehmer gewonnen werden? Wie können die Teilnehmer sinnvoll in Gruppen eingeteilt werden? Wie kann für die Events geworben werden? Als Veranstaltungsort konnte eine Werk-Küche der Gustav-Heinemann-Oberschule zur Verfügung gestellt werden. Um die Materialien vor Ort kümmerten sich zwei Lehrer sowie eine Elternvertretung. Einladungsmanagement, Gruppeneinteilungen sowie die Bewerbung des Events lag bei der Projektleitung mit Unterstützung der Netzwerkpartner.

Durchführung

Am 8. Oktober versammelten sich zum ersten Mal etwa 55 Teilnehmer in der Gustav-Heinemann-Oberschule, um gemeinsam zu kochen und sich dabei besser kennen zu lernen. Mit dabei waren Regelschüler/innen und Schüler/innen aus Willkommensklassen der Gustav-Heinemann-Oberschule, Eltern, Lehrer, Unternehmer/innen, Gärtner/innen wie auch Bewohner/innen aus der Nachbarschaft Marienfelde. Ab den späten Nachmittagsstunden wurde gemeinsam geschnippelt, gebraten und gebacken.

Gemischte Kleingruppen von etwa fünf bis sechs Teilnehmern bereiteten an acht Kochstationen ein jeweils von einer Person mitgebrachtes Rezept zu. So leitete jeweils ein „Experte“ die anderen Gruppenmitglieder beim Kochen an. Beim gemeinsamen Kochen wurde viel gelacht, ausprobiert und natürlich wurden auch leckere Ergebnisse erzielt.

Leider sagten zwei der vereinbarten „Experten“ kurzfristig ab, so dass deren verbliebene Gruppenmitglieder das Rezept alleine erarbeiten mussten. Dies stellte sich jedoch als sehr kommunikativ heraus. Die Teilnehmer dieser Gruppen kamen sehr gut ins Gespräch und arbeiteten gut zusammen, um das Rezept auch ohne „Experten“ fehlerfrei zu kochen.

Nach etwa zwei Stunden konnten alle Kochbegeisterten von Allem etwas probieren: Italienische Pasta und Lasagne, Finnische Fischsuppe, ein Eintopf aus Kasachstan, Zitronenhühnchen aus Deutschland, Afghanische Reisgerichte und einen Nachtisch aus Syrien.

Die Weinblätter waren kompliziert zusammen zu rollen. Gemeinsam wurde dieses Problem jedoch gemeistert.

Beim gemeinsamen Essen konnten sich die Teilnehmer über ihre Kocherlebnisse austauschen und sich darüber hinaus noch besser kennen lernen.
In den Abendstunden gingen alle satt, zufrieden und mit Vorfreude auf ein Wiedersehen nach Hause.

Auch das zweite Event am 18.11.16 sollte dazu dienen, dass sich die Nachbarschaft in Marienfelde beim gemeinsamen Kochen besser kennenlernt. Eingeladen waren erneut Regelschüler/innen und Schüler/innen aus Willkommensklassen der Gustav-Heinemann-Oberschule, Eltern, Lehrer, Unternehmer/innen, Gärtner/innen wie auch Bewohner/innen aus der Nachbarschaft Marienfelde.

Unter den Teilnehmern befanden sich auch Personen vom ersten Event, die gerne ein zweites Mal dabei sein wollten. Aufgrund der Erfahrung beim ersten Event, dass die Gruppen, die sich gemeinsam ein unbekanntes Rezept erarbeiten mussten sehr viel besser miteinander ins Gespräch kamen als die Gruppen mit einem „Experten“, wurde beim zweiten Kochevent eine Änderung vorgenommen. Anstatt dass jede Gruppe das mitgebrachte Rezept eines Experten kocht, wurde beim zweiten Kochevent jeder Gruppe ein ihnen unbekanntes Rezept vorgelegt, das es dann gemeinsam zu erarbeiten galt. 

Beim Kochen ging es sehr farbenfroh zu!

Gekocht wurden unter anderem eine afghanische Gemüsesuppe, ein traditioneller Afrikanischer Eintopf, eine Okra-Pfanne aus Pakistan, Schokoladen-Mandel-Kuchen aus Mazedonien, ein traditioneller Auflauf aus Georgien, ein Couscous Gericht aus Lybien, gefüllte Weinblätter aus dem Aserbaidschan und ein Bohneneintopf aus Syrien.

Die Teilnehmer waren von Beginn an sehr ambitioniert und erzielten erneut sehr leckere Ergebnisse. Nach circa zwei Stunden konnten sieben von acht Gerichten in entspannter Atmosphäre gegessen werden. Die Räumlichkeiten ließen es leider nicht zu, dass sich alle Teilnehmer setzten konnten. Dies war jedoch nicht weiter schlimm, da die Teilnehmer so von Kochstation zu Kochstation liefen und sich mit mehr Personen unterhalten konnten, als nur mit den direkten Tischnachbarn. Ein Gericht dauerte bei der Zubereitung etwas länger, was dann einige Teilnehmer, deren Gericht schon fertiggekocht war, dazu ermutigte mitzuhelfen.
Um circa 19:30 Uhr gingen die 45Teilnehmer satt und zufrieden nach Hause.

Frischer Koriander und frischer Dill verfeinerten die Gerichte

Ergebnisse

Die Teilnehmer gaben sowohl während der Kochevents wie auch den darauffolgenden Tagen positives Feedback. Den Teilnehmern gefiel neben dem leckeren Essen vor allem der Kontakt zu verschiedensten Personen aus der Nachbarschaft, welcher in ihrem Alltag nicht zu Stande gekommen wäre. Auch die Altersspanne der Teilnehmer von zwei bis sechzig Jahren wurde als „erfrischend“ empfunden. Das Ziel der Events, durch das Kochen Begegnungen zwischen Menschen aus der Nachbarschaft in Marienfelde herzustellen, bei welchen sich auf Augenhöhe ausgetauscht und besser kennen gelernt werden kann, wurde demzufolge erfüllt. Nach dem zweiten Kochevent gab es außerdem einige Anfragen bezüglich regelmäßig stattfindenden Kochevents in der Gustav-Heinemann-Oberschule. Beim abschließenden Evaluationsgespräch äußerten sich alle verantwortlichen Mitwirkenden sehr zufrieden und wollten klären, wie sich die Kochevents nachhaltig etablieren lassen. Darüber hinaus sind die Events auch unter den Geflüchteten sehr gut angekommen. Geflüchtete, die in der Notunterkunft in der Daimlerstraße wohnen, haben die Veranstaltungen sehr positiv erlebt und möchten gerne weiterhin gemeinsam kochen.

Ran an den Herd - und dann guten Appetit!


- Sie haben jetzt so richtig Appetit bekommen und würden gerne auch so lecker essen?
Na, dann probieren Sie es doch zuhause selber aus: Hier ist das Rezeptheft zum Nachkochen (PDF 1,9 MB)!

text: Lotta Häfele (über den Tellerand e.V.); fotos: Luise Klimera